Ohne Mobilität keine Smart City – wie Kommunen Bewegung smarter denken
Ohne Bewegung keine Kommune. Und ohne Mobilität keine Smart City. Denn egal wie vernetzt, effizient oder digital eine Stadt geplant ist: Wenn Menschen nicht sicher, nachhaltig und flexibel von A…

von Tim Allgaier

29. August 2025

Ohne Bewegung keine Kommune. Und ohne Mobilität keine Smart City. Denn egal wie vernetzt, effizient oder digital eine Stadt geplant ist: Wenn Menschen nicht sicher, nachhaltig und flexibel von A nach B kommen, scheitern die besten Konzepte an der Praxis.

Mobilität ist kein Add-on. Sie ist das Fundament für Teilhabe, Versorgung und Lebensqualität. Das gilt besonders in ländlich geprägten Regionen wie Südwestfalen, wo Distanzen groß, Wege weit und klassische ÖPNV-Strukturen oft dünn sind.

Im städtischen Raum bedeutet Mobilität oft: Alternativen zum Auto. In ländlichen Regionen ist das Auto häufig noch alternativlos. Die größten Probleme dabei:

  • Niedrige Taktung des ÖPNV: Busse fahren selten oder gar nicht, Anschlussverbindungen sind unzuverlässig
  • Hohe Kosten: Ein engmaschiges Nahverkehrsnetz ist in dezentralen Gebieten schwer zu finanzieren
  • Geringe Flexibilität: Mobilitätsangebote orientieren sich oft nicht an den Bedürfnissen von Berufspendelnden, Jugendlichen oder Senior:innen

Die Regionale 2025 und das Projekt „Smart Cities: 5 für Südwestfalen“ zeigen: Mobilität ist eines der strategischen Handlungsfelder für die smarte Region.

Die Mobilitätsstrategie Südwestfalen definiert klare Ziele:

  • Multimodale Verknüpfung von Verkehrsmitteln
  • Digitale Tools für Planung und Steuerung
  • Barrierefreie Angebote für alle Generationen
  • Nachhaltigkeit durch Verlagerung vom Individualverkehr

Zentraler Gedanke ist der Aufbau von Mobilitätsknotenpunkten: Orte, an denen Sharing-Angebote, ÖPNV, Fahrradabstellplätze und Ladeinfrastruktur gebündelt werden. Diese sollen auch in Mittel- und Kleinstädten realisiert werden – als „Andockstellen“ für neue Mobilitätsformen.

Das Projekt „Mobilität Hämmer“ in Menden zeigt exemplarisch, wie smarte Mobilität auch in wirtschaftsnahen Räumen funktionieren kann. Die Ausgangslage war typisch für viele Gewerbegebiete: schlechte ÖPNV-Anbindung, hoher Parkplatzbedarf und starker Pendlerverkehr.

Der Lösungsansatz basiert auf vier Säulen:

  • Systematische Bedarfsanalyse durch Mitarbeitenden-Befragung
  • Entwicklung flexibler Shuttle-Angebote und Mitfahrmodelle
  • Verbesserte Anbindung an ÖPNV-Knotenpunkte
  • Digitalisierung von Buchungssystemen und Verkehrslenkung

Das Ergebnis: Eine deutliche Entlastung des Individualverkehrs bei gleichzeitig höherer Zufriedenheit der Beschäftigten. Das Modell zeigt, wie datenbasierte Mobilitätskonzepte auch abseits der Innenstädte funktionieren können.

Daten bündeln, Mobilität steuern: Die Rolle der Mobidrom-Plattform

Ein zentraler Hebel für smarte Mobilität ist der Umgang mit Mobilitätsdaten. Genau hier setzt die neue Mobidrom Datenplattform an – ein landesweites Angebot des Landes NRW, das seit 2023 aufgebaut wird.

Was macht Mobidrom besonders?

  • Es bündelt Mobilitätsdaten aus ganz NRW – egal ob Bus, Bahn, Fahrrad, Auto oder Sharing-Dienste.
  • Es stellt standardisierte Schnittstellen für Kommunen, Verkehrsunternehmen und Plattformen bereit.
  • Es bietet Tools wie den Zonenmanager, mit dem Städte Regeln für Sharing-Angebote einfach verwalten können (z. B. Parkzonen für E-Scooter).

Warum das relevant ist:

Noch liegen viele Daten dezentral, analog oder in inkompatiblen Systemen. Die Mobidrom-Plattform hilft Kommunen, ihre Daten digital bereitzustellen, gesetzliche Anforderungen zu erfüllen – und neue datenbasierte Mobilitätsangebote aufzubauen. Vor allem kleinere Städte gewinnen damit Zugang zu digitalen Werkzeugen, die sonst nur Großstädten zur Verfügung stehen würden.

Best Practices aus der Region

a. A-Bus Iserlohn: Autonom unterwegs in der City

Iserlohn testet mit dem Projekt a-Bus“ autonomes Fahren im realen Straßenverkehr. Zwei Shuttles der neuesten Generation fahren im Regelbetrieb durch die Innenstadt. Besonderheit: Die Fahrzeuge können Level-4-Autonomie und erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 40 km/h.

Ziele des Projekts:

  • Technische und rechtliche Machbarkeit testen
  • Sicherheit und Nutzerakzeptanz erforschen
  • Anwendungsperspektiven für Randzeiten und entlegene Stadtteile entwickeln

Das Projekt ist ein Baustein des „New Mobility Labs Iserlohn“ und Teil eines umfassenden Ansatzes für neue Verkehrsformen in urban-nahen und ländlichen Kontexten.

b. Maßnahme 15: Verkehrsfluss smart machen

In der Region Südwestfalen wird mit Maßnahme 15 ein digitaler Ansatz zur Verkehrssteuerung erprobt:

  • Intelligente Verkehrsflussanalyse via Sensorik und KI
  • App-gestütztes Routing, das Staus vermeidet
  • Datenbasierte Planung von Straßensanierungen und Umleitungen

Der Clou: Das System soll regional skaliert werden können – auch kleinere Kommunen profitieren davon. So entsteht ein intelligentes Verkehrsnetz für die gesamte Region.

Smarte Ideen aus anderen Kommunen

a. KIRA Autonom (Karlsruhe)

Ein Reallaborprojekt mit Fokus auf innerstädtischen Sicherheitszonen und intelligenten Verkehrsschnittstellen. Erkenntnisse fließen direkt in rechtliche und technische Standards ein.
Hier geht es zum Projekt

b. Unterhaching: Schulwegsicherheit digital

Visualisierung von Verkehrsströmen, smarte Querungshilfen, Rückmeldesysteme für Eltern und Schulen. Digitalisierung als Mittel zur Stärkung der Verkehrssicherheit für Kinder.

Zum Projekt

c. KielRegion: Regionales Bikesharing

Bündelung von Leihrädern über Kommunen hinweg, integrierte Buchungssysteme, Einbindung in ÖPNV-Ticketsystem. Erfolgsfaktoren: kommunale Trägerschaft und regionale Koordination.

Zum Projekt „Sprottenflotte“

d. Monheim am Rhein: Mobilität als Systemleistung

Kostenloser Nahverkehr, autonom fahrende Busse, App-gesteuerte Mobilitätsgarantie, umfassendes Sharing-Angebot. Smart City als Dienstleister für den Alltag.

Zum Projekt

e. ampido: Parkplatzmanagement digital

Reservierung öffentlicher Stellplätze per App (zum Beispiel auf einem Discounter-Parkplatz). Integration in städtische Infrastruktur. Entlastet den Parksuchverkehr und reduziert Emissionen.
Zum Projekt

Smarte Mobilität ist kein Add-on – sie ist das Fundament

Eine Smart City braucht kein U-Bahn-Netz. Aber sie braucht Mobilitätslösungen, die vernetzt, flexibel und einfach zugänglich sind. Besonders im ländlichen Raum ist der Schlüssel: kombinieren statt ersetzen. Busse, Sharing, Fahrrad, autonome Angebote – alles in einer App, aufeinander abgestimmt.

Menden und Mobidrom zeigen: Der Weg dahin beginnt nicht mit Technik. Sondern mit klarer Strategie, starken Partnerschaften – und dem Mut, Mobilität neu zu denken.

Denn Mobilität ist Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, wirtschaftliche Entwicklung und nachhaltige Stadtgestaltung. Gerade in Regionen mit dezentraler Struktur wird Mobilität zur Schnittstelle für smarte Lösungen: Sie verbindet Menschen, Orte und Systeme.

Wer Smart City ernst meint, muss Mobilität ganzheitlich denken: öffentlich, flexibel, vernetzt, datenbasiert. Der ländliche Raum wird nicht durch große Infrastrukturen, sondern durch kluge Kombinationen smarter Bausteine zur zukunftsfähigen Region. Südwestfalen zeigt, wie das gelingen kann.