Digitaler Leerstandshelfer aus dem Sauerland
Mit der Plattform L(i)ebenswert Lennestadt bietet die Stadt eine digitale Anlaufstelle für alle, die Wohnraum oder Gewerbeflächen suchen – und für jene, die welchen anbieten möchten. Ziel: Leerstände reduzieren, Angebote sichtbar machen und die Aufenthaltsqualität in der Stadt verbessern.
Die Plattform ermöglicht:
- die kostenlose Eintragung von Wohn- oder Gewerbeflächen
- die direkte Kontaktaufnahme zu den Anbietenden mittels Matching-Prinzips
- eine digitale Übersicht verfügbarer Immobilien
- sowie ergänzende Informationen zur Innenstadtentwicklung
Neben der digitalen Infrastruktur setzt Lennestadt auch auf Begleitkommunikation und persönliche Unterstützung. Die Plattform wird stetig weiterentwickelt und versteht sich als Modell für andere Kommunen, die ähnliche Herausforderungen mit modernen Lösungen angehen möchten.
Eine kommunale Herausforderung: Leerstand – und dessen Management
Ländliche Räume stehen vor einem scheinbaren Widerspruch: Einerseits fehlen bezahlbare Wohnungen – andererseits bleiben viele Objekte leer. Und das sowohl für Wohn- als auch Gewerbeimmobilien.
Die Gründe sind vielfältig: Eigentümer, die nicht aktiv inserieren. Gebäude, die schwer vermittelbar scheinen. Oder einfach fehlende Sichtbarkeit.
Genau hier setzt L(i)ebenswert Lennestadt an. Die Plattform soll nicht nur vermitteln, sondern auch aktivieren: Sie will Leerstände sichtbar machen und damit zur Revitalisierung der Innenstadt beitragen. Und das mit digitaler Infrastruktur, die auch kleinere Städte stemmen können. Geschaffen wurde so eine Pionier-Lösung, welche einfach auch in andere Kommunen “umziehen” kann.
Was ist L(i)ebenswert Lennestadt?
L(i)ebenswert Lennestadt ist eine digitale Plattform der Stadt Lennestadt, die dabei hilft, Wohn- und Gewerbeleerstände sichtbar zu machen und gezielt zu vermitteln. Bürgerinnen und Bürger können hier kostenlos freie Immobilien mittels eines Steckbriefs anbieten oder suchen – einfach, schnell und ohne Zwischeninstanz. Ziel ist es, das Stadtbild zu beleben, Ortskerne zu stärken und gemeinsam neue Nutzungsperspektiven für bestehende Räume zu schaffen. Die Plattform ist Teil einer größeren Strategie zur Innenstadtentwicklung und steht exemplarisch für eine moderne, bürgernahe Kommunalpolitik im ländlichen Raum.
Die Idee hinter der Plattform
Entstanden ist die Plattform nicht in einem Workshop, sondern aus einem konkreten kommunalen Problem:
Wie können wir Leerstände reduzieren – und dabei auch kleine, dezentrale Orte mitdenken?
Die Antwort der Stadt: ein niedrigschwelliges, digitales Angebot. Ursprünglich als App gedacht, wurde das Projekt später als Webanwendung realisiert – nutzbar auf jedem Endgerät, ohne zusätzliche Hürden. (Ein Problem, welches wir auch schon in diesem Leitfaden adressiert haben (LINK einfügen)
Entscheidend war der ganzheitliche Blick: Nicht nur neue Technik, sondern klare Zuständigkeiten, Fördermittelakquise und lokale Anbieter wurden früh mitgedacht. So entstand eine Lösung, die sich in die bestehenden kommunalen Strukturen einfügt.
Pionierarbeit mit Plan: Von der Idee zur Umsetzung
Drei Jahre vergingen von der ersten Idee bis zur ersten Live-Schaltung. Die wichtigsten Stationen:
- 1,5 bis 2 Jahre Vorarbeit: Bedarfsanalyse, Zieldefinition, Fördermittel sichern
- Rund 9 Monate Entwicklung: Ausschreibung, Layoutanpassung, Umsetzung mit lokalem Anbieter
- Fördermittel des Landes sicherten finanzielle Realisierbarkeit
- Auch das Vergaberecht war ein wichtiger Faktor – bei der Ausschreibung und Partnerwahl. Am Ende entstand eine skalierbare Lösung mit kommunalem Rückgrat.
Am Ende ist für die Webanwendung nun ein mittlerer, fünststelliger Betrag aufgewendet worden. Mit dem Clou, dass andere Kommunen von der Pionier-Arbeit profitieren, und das einfache CMS leicht übernehmen und anpassen können. Auch das wäre mit einer App nicht so leicht gegangen
-> Zentraler Tipp der Projektverantwortlichen:
„Nicht zu sehr in eine App verlieben – es muss für die Menschen vor Ort funktionieren.“
Technische Lösung: Was heute steht – und was übertragbar ist
Die Plattform basiert auf einem Joomla-Template. Der Vorteil:
Das System lässt sich leicht kopieren und anpassen – neue Städte müssen nicht bei Null starten.
Das heißt konkret:
- Geringe Kosten für Rollouts in weiteren Kommunen
- Flexible Anpassung von Design, Texten und Abläufen
- Reduzierte Technik-Hürden durch bewährte Open-Source-Infrastruktur
Gerade kleinere Kommunen ohne großes IT-Budget profitieren von dieser Architektur: Sie erhalten eine professionelle Lösung mit geringem Anpassungsaufwand – und trotzdem Gestaltungsspielraum.
Was andere Kommunen daraus lernen können – und konkret abschauen
L(i)ebenswert Lennestadt ist kein Schnellschuss – sondern das Ergebnis langer, strategischer Vorarbeit. Und so können andere Kommunen aus diesem Pionier-Projekt lernen:
- Vorbereitung ist entscheidend: Ohne klare Zieldefinition, Fördermittelstrategie und rechtliche Klärung scheitert ein Projekt noch vor dem ersten Layout.
- Nicht sofort entwickeln lassen: Erst muss das Konzept stimmen – dann folgt die Technik.
- Lokale Partner einbeziehen: Sie kennen die Stadt, die Menschen und die Herausforderungen.
- Open-Source nutzen: Die Lösung muss skalierbar und nachhaltig sein, kein technisches Einzelstück.
- Begleitkommunikation mitdenken: Die Plattform allein reicht nicht – es braucht analoge Ansprechpartner:innen, die helfen, Vertrauen zu schaffen.
Digitale Lösungen brauchen keinen “Kopierschutz” – dann wird es ganz oft gut
Lennestadt zeigt, dass Digitalisierung nicht nur in Metropolen funktioniert. Wer frühzeitig die richtigen Fragen stellt und den Mut hat, über Jahre hinweg an einer Lösung zu arbeiten, schafft mehr als ein digitales Angebot – er schafft Infrastruktur für morgen.
Die Plattform L(i)ebenswert Lennestadt ist ein Beispiel dafür, wie Digitalisierung und Stadtentwicklung sinnvoll zusammenspielen können. Und sie beweist: Pionierarbeit lohnt sich – besonders, wenn man nicht nur für heute, sondern für viele denkt.

